Zurück in Richtung Zukunft - Der neue Facebook Algorithmus

 

Rund zwei Monate sind vergangen seit Mark Zuckerberg angekündigt hat, dass Facebook seinen Algorithmus umkrempelt. Es geht zurück Richtung Zukunft. Vieles hat sich seitdem verändert: Urlaubsbilder, Baby-Fotos und geteilte Links viraler Katzenvideos sind im News Feed wieder präsenter. Erste Panikschübe seitens der Unternehmen sind abgeklungen und Marketer können nach den ersten Reports wieder erleichtert aufatmen.

Während Facebook auf die sinkende Nutzungsdauer reagiert und das psychologische Grundbedürfnis des sozialen Zusammenhaltes erkannt hat, waren Marketer und Unternehmen viel zu beschäftigt damit den Algorithmus zu verteufeln. Ausfahrt verpasst! Denn anstatt den Teufel an die Wand zu malen hätten man wissen müssen, dass die Suppe nie so heiß gegessen, wie gekocht wird und das Algorithmus-Update als das sehen, was es sein kann: Eine große Chance.

Viel zu lange haben Unternehmen und Marketer ihre Facebook-Seite unreflektiert als Tool zur einseitigen Kommunikation mit potentiellen Konsumenten missbraucht. Gebrandeter Content ohne Kompromisse. Auf jeden Fall mit Link zum Onlineshop und Hauptsache jeden Tag irgendetwas posten. Das alles ohne Rücksicht auf die Community, falls es zu dem Zeitpunkt überhaupt eine gab. Die Reichweite bekam man trotzdem und wenn sie dann nicht mehr da war, wurde schnell auf den Boost-Button geklickt und man musste sie sich nicht mehr verdienen. Diese Taktik hat funktioniert, bis sie dann eben nicht mehr funktionierte. Denn entgegen der gängigen Meinung „Menschen werden immer dümmer“, scheinen sie doch ziemlich reflektiert zu sein. Statt immer abgestumpfter zu werden, wurden sie sensitiver, emotionaler und suchen immer stärker nach Authentizität. Es scheint, als entwickelten wir uns von der Informationsgesellschaft in eine „Intuitionsgesellschaft“. Und diese ist nicht mehr so leicht zu verarschen. Man hat es probiert und sie hat mit einem deutlichen F*** you geantwortet. Facebook hat das verstanden und eingelenkt. Warum nicht die Content Creator?

Das Update rüttelt Unternehmen und Marketer wach, zumindest die, die ihren Job gut machen und ernst nehmen. Denn nur sehr ungern verlässt man hier die eigene Comfort Zone, riskiert etwas und zeigt gar Persönlichkeit. Vermutlich der größte Fehler den man im Jahre 2018 begehen kann. Aber keine Sorge, es gibt immer eine nächste Ausfahrt.


Constant Evolution’s Tipps für eine bessere Zukunft

(zumindest auf Social Media)

 

1.    Zeigt Persönlichkeit

Es wird Zeit persönlich zu werden, es wird sogar Zeit politisch zu werden. Time’s up in jeder Hinsicht. Marken sind Charaktere und wir wollen uns mit ihnen identifizieren können. Wir kaufen auch nicht bei Apple weil sie die fairsten Preise haben oder wollen einen Tesla weil wir uns Sorgen um die Umwelt machen. „It’s not about what you do, it’s about why you do it.” Schon vergessen? Verleiht eurer Marke Ecken und Kanten und macht sie greifbarer für die, die ihr an die Hand nehmen wollt.

 

2.    Provoziert mit eurem Content

Facebook will Interaktion & Diskussion. Sprich: Mehr Leben im News Feed. Nur durch Provokation entsteht Interaktion. Das heißt nicht, dass ihr jetzt einen auf BIPA’s „Weil ich ein Mädchen bin“ machen müsst. Provoziert mit eurem Content positive Gefühle, regt zum Nachdenken an und ermutigt eure Community ihre Meinung mitzuteilen, Scheut euch außerdem nicht, nicht alle User zufrieden zu stellen.

 

3.    Facebook ist nicht alles

Klar bekommt ihr Panik wenn Facebook der einzige Fixpunkt eurer Social Media Tagesordnung ist. Aber Facebook ist nicht Social Media. Nur ein Teil davon. Zugegeben ein großer Teil davon, aber eben nicht alles. Baut eine Multi-Channel-Strategie auf und sucht andere soziale Netzwerke die für eure Zielgruppe relevant sind. Probiert mal Instagram Story Ad´s, Werbung auf Youtube oder inspiriert eure Fans über Pinterest.

 

4.    Weniger ist mehr

Kaum ein Satz ist so ausgelutscht wie dieser. Aber auch so wahr. Anstatt jeden Tag irgendeinen Post zu veröffentlichen, beschränkt euch mal auf zwei maximal drei die Woche. Hinterlegt diesen mit einem größeren Werbe-Budget und schaltet Dark Posts. Kein Mensch schaut sich mehr Facebook-Seiten an, der News-Feed ist die Küche der Homeparties.

 

5.    Habt mehr als nur einen Freundeskreis

Heißt: Entwickelt verschiedene kleine Zielgruppen für unterschiedliche Postings. So erweitert ihr euren Community-Stamm und verhindert, dass ihr eure Fans und die, die es noch werden sollen zu sehr voll spamt. Überprüft eure Zielgruppen mit Split-Tests. Das gleiche gilt übrigens auch für Werbe-Platzierungen. Testet welche Zielgruppe am meisten mit welchem Content, in welcher Platzierung, zu welcher Zeit interagiert. Es ist zeitaufwendig, aber langfristig gesehen lohnt es sich. Und hey, wenn ihr Punkt 4 beachtet, bleibt mehr Zeit für Punkt 5. 

 

6.    Go with the flow

Noch vor 100.00 Jahre lebten ungefähr sechs verschiedene Menschenarten auf der Erde. Überlebt hat nur der Homo sapiens. Die anderen Menschenarten haben wir erfolgreich verdrängt. Wie? Wir hatten hauptsächlich Glück. Aber Anpassung spielte auch eine wesentliche Rolle. Nur wer flexibel auf Veränderungen reagiert, bleibt im Spiel.


Lisa Hauschild